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<channel><title><![CDATA[FEMFILMFANS - Blog]]></title><link><![CDATA[https://femfilmfans.weebly.com/blog]]></link><description><![CDATA[Blog]]></description><pubDate>Thu, 05 Mar 2026 12:50:05 +0100</pubDate><generator>Weebly</generator><item><title><![CDATA[Time is Up for Irony: Notes on Hannah Gadsbys "Nanette"]]></title><link><![CDATA[https://femfilmfans.weebly.com/blog/time-is-up-for-irony-notes-on-hannah-gadsbys-nanette]]></link><comments><![CDATA[https://femfilmfans.weebly.com/blog/time-is-up-for-irony-notes-on-hannah-gadsbys-nanette#comments]]></comments><pubDate>Mon, 06 Aug 2018 04:30:00 GMT</pubDate><category><![CDATA[Uncategorized]]></category><guid isPermaLink="false">https://femfilmfans.weebly.com/blog/time-is-up-for-irony-notes-on-hannah-gadsbys-nanette</guid><description><![CDATA[Christian BergerZynismus ist einfach. Er ist eine M&ouml;glichkeit, sich auf etwas einzulassen ohne sich auf etwas einzulassen. In der m&auml;nnerdominierten Stand-up-Comedy sind ironische Distanz zum Gegenstand und Punchlining zu den wesentlichen Genrekonventionen geworden. Die aus Please Like Me bekannte lesbische respektive &bdquo;gender not-normal&ldquo; Schauspielerin und Komikerin Hannah Gadsby r&auml;umt in ihrer von Netflix gekaperten Show Nanette mit diesen Konventionen gr&uuml;ndlich a [...] ]]></description><content:encoded><![CDATA[<div class="paragraph">Christian Berger<br /><br />Zynismus ist einfach. Er ist eine M&ouml;glichkeit, sich auf etwas einzulassen ohne sich auf etwas einzulassen. In der m&auml;nnerdominierten Stand-up-Comedy sind ironische Distanz zum Gegenstand und Punchlining zu den wesentlichen Genrekonventionen geworden. Die aus Please Like Me bekannte lesbische respektive &bdquo;gender not-normal&ldquo; Schauspielerin und Komikerin Hannah Gadsby r&auml;umt in ihrer von Netflix gekaperten Show Nanette mit diesen Konventionen gr&uuml;ndlich auf und kritisiert dabei einige zentrale Mechanismen der Kulturindustrie &ndash; und das Patriarchat.<br /><br />Hannah Gadsby erz&auml;hlt zwar, dass und wie sie mit 17 Jahren an einer Bushaltestelle mit homophober und sexistischer Gewalt konfrontiert wird; ein Mann ging davon aus, dass sie ein Mann &ndash; wenn auch ein &ldquo;faggot&rdquo; &ndash; sei und seine Freundin anmache. Sie erz&auml;hlt dies zun&auml;chst aber nur f&uuml;r die Pointe: Der Mann entschuldigt sich bei ihr, als er merkt, dass sie eine Frau ist - er schlage keine Frauen. Das Publikum lacht. Sie landet viele weitere Pointen, die mit ihrer Vergangenheit zu tun haben: mit ihrem Coming-Out und der allgegenw&auml;rtigen und bis 1997 gesetzlich verankerten Homophobie, mit der sie in dem kleinen Dorf in Tasmanien, in dem sie aufgewachsen ist, konfrontiert wurde; mit ihrer tiefsitzenden Unzufriedenheit, ihren Depressionen, ihrer Isolation und Scham. Es scheint wie selbstironische Vergangenheitsbew&auml;ltigung. Doch Gadsby hat genug davon, ihre Geschichte und ihre Geschichten nicht zu Ende zu erz&auml;hlen; sie hat genug von Frauen- und Lesbenwitzen, selbst wenn diese ironisch angelegt sind. Ab der H&auml;lfte der Show, stellt sie deren Konzept und ihre Profession selbst radikal in Frage: &bdquo;I have built a career out of self-deprecating humor and I don&rsquo;t want to do that anymore. Do you understand what self-deprecation means when it come from somebody who already exists in the margins? It&rsquo;s not humility, it&rsquo;s humiliation. I put myself down in order to speak, in order to seek permission to speak, and I simply will not do that anymore, not to myself or anybody who identifies with me. If that means that my comedy career is over, then, so be it.&ldquo;<br /><br />Gadsby hat genug also von Selbstironie, Zynismus und dem&uuml;tigenden und retraumatisierenden Pointen. Anschlie&szlig;end erz&auml;hlt sie vor allem eine Geschichte eindringlich zu Ende. Der Mann, der an der Bushaltestelle von ihr abgelassen hatte, kehrte n&auml;mlich zur&uuml;ck, &bdquo;he beat the shit out of me and nobody stopped him&ldquo;, eben weil sie eine lesbische Frau ist und dominanten Gendernormen nicht entspricht. Und wegen diesen dominanten Gendernormen, hat sie sich nicht an die Strafverfolgungsbeh&ouml;rden gewandt. &bdquo;I thought that was all I was worth. And I didn't take myself to hospital. And I should have. But I didn't, because that's all I thought I was worth. I am &lsquo;incorrect&rsquo; and that is a punishable offense.&rdquo;<br /><br />Wie eine gelungene Drag-Performance ist Gadsbys Show mimetisch. Zur Mimesis geh&ouml;rt es, jemanden oder auch gesellschaftliche Verh&auml;ltnisse in &auml;sthetischer Absicht nachzuahmen, auseinander zu nehmen und wieder zusammen zu setzen, dass einzelne Teile nicht mehr in einem Hierarchieverh&auml;ltnis zu einem Ganzen stehen. Im Fall von Hannah Gadsbys gilt dies f&uuml;r Erz&auml;hlweisen und Gendernormen, die de- und rekonstruiert werden. Sie werden in neue Relationen zur Stand-up-Comedy als Genre und zum M&auml;nnlichen als idealisierter Norm gesetzt. In der Comedy-Kultur werden Lebensgeschichten und gesellschaftliche Missst&auml;nde zu Waren; was z&auml;hlt, sind Pointen, die sich auszahlen, solche mit einer hohen short-term rate of return. &Auml;sthetik und Ethik haben nur eine funktionale Bedeutung. Geschichten werden dann zu Ende erz&auml;hlt, wenn sich dies auszahlt. Aber &bdquo;we tell ourselves stories in order to live&ldquo; (Joan Didion); unsere Geschichten zu erz&auml;hlen, gibt einem Leben erst Geschichte, Bedeutung und erm&ouml;glicht es uns, uns moralisch in der Welt zu orientieren.<br /><br />The time is up for irony.</div>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Interview mit Beatrice Behn]]></title><link><![CDATA[https://femfilmfans.weebly.com/blog/interview-mit-beatrice-behn]]></link><comments><![CDATA[https://femfilmfans.weebly.com/blog/interview-mit-beatrice-behn#comments]]></comments><pubDate>Mon, 30 Apr 2018 22:16:26 GMT</pubDate><category><![CDATA[Uncategorized]]></category><guid isPermaLink="false">https://femfilmfans.weebly.com/blog/interview-mit-beatrice-behn</guid><description><![CDATA[&#8203;Beatrice Behn ist Filmwissenschaftlerin und Filmkritikerin. Sie hat ihren Abschluss in Filmwissenschaft an der FU Berlin gemacht. Ihre filmwissenschaftlichen Schwerpunkte liegen vor allem im Bereich K&ouml;rperkino, Gender (hier vor allem Maskulinit&auml;ten), Actionfilm und Kom&ouml;die. Beatrice arbeitet als Chefredakteurin f&uuml;r Kino-Zeit und schreibt f&uuml;r andere Publikationen wie VICE, Deutschlandfunk Kultur, Celluloid, Indiewire, Fandor, Sissy Magazin und K&ouml;nigsallee. Neb [...] ]]></description><content:encoded><![CDATA[<div class="paragraph"><span><span>&#8203;</span><a href="https://www.kino-zeit.de/personen/beatrice-behn-1"><span style="color:rgb(36, 48, 53); font-weight:400">Beatrice Behn</span></a><span style="color:rgb(36, 48, 53)"> ist Filmwissenschaftlerin und Filmkritikerin. Sie hat ihren Abschluss in Filmwissenschaft an der FU Berlin gemacht. Ihre filmwissenschaftlichen Schwerpunkte liegen vor allem im Bereich K&ouml;rperkino, Gender (hier vor allem Maskulinit&auml;ten), Actionfilm und Kom&ouml;die. Beatrice arbeitet als Chefredakteurin f&uuml;r </span><em><a href="https://www.kino-zeit.de/"><span style="color:rgb(17, 85, 204); font-weight:400">Kino-Zeit</span></a></em><span style="color:rgb(36, 48, 53)"> und schreibt f&uuml;r andere Publikationen wie </span><em><span style="color:rgb(36, 48, 53)">VICE</span></em><span style="color:rgb(36, 48, 53)">, </span><em><span style="color:rgb(36, 48, 53)">Deutschlandfunk</span><span style="color:rgb(36, 48, 53)"> </span><span style="color:rgb(36, 48, 53)">Kultur</span></em><span style="color:rgb(36, 48, 53)">, </span><em><span style="color:rgb(36, 48, 53)">Celluloid</span></em><span style="color:rgb(36, 48, 53)">, </span><em><span style="color:rgb(36, 48, 53)">Indiewire</span></em><span style="color:rgb(36, 48, 53)">, </span><em><span style="color:rgb(36, 48, 53)">Fandor</span></em><span style="color:rgb(36, 48, 53)">, </span><em><span style="color:rgb(36, 48, 53)">Sissy Magazin</span></em><span style="color:rgb(36, 48, 53)"> und </span><em><span style="color:rgb(36, 48, 53)">K&ouml;nigsallee</span></em><span style="color:rgb(36, 48, 53)">. Nebenbei arbeitet sie auch als Dozentin an der FU Berlin, Kuratorin und Filmemacherin. Ihr Film </span><span style="color:rgb(36, 48, 53)">The Artist &amp; The Pervert</span><span style="color:rgb(36, 48, 53)"> wird voraussichtlich Ende des Jahres in Deutschland erscheinen. </span></span><br /><br /><span><span style="color:rgb(88, 72, 183); font-weight:700">Christina Schultz:</span><span> Beatrice, danke, dass du dir Zeit f&uuml;r uns genommen hast. Unser Schwerpunkt bei <em>Femfilmfans</em> ist Frauen im Film und in den Medien. Nicht nur deine Karriere als Filmkritikerin und Film-Akademikerin ist f&uuml;r uns interessant, sondern auch dein erster Film <em>The Artist &amp; The Pervert</em>. Ich will aber von vorne anfangen und sp&auml;ter zu deinem Film kommen. Kannst du uns erz&auml;hlen wie du deine Leidenschaft f&uuml;r Film entdeckt hast?<br /></span></span><br /><span><span style="color:rgb(51, 135, 162); font-weight:700">Beatrice Behn:</span><span> Das ist relativ einfach zu erkl&auml;ren, denn ich bin in der DDR aufgewachsen und meine gesamte, grunds&auml;tzliche Filmbildung besteht daraus, nachts heimlich Westfernsehen geguckt zu haben. Es war eine ziemlich gute Filmbildung, weil nachts auf 3sat wirklich gute Sachen liefen und ich glaube, das war von Anfang an mein Fenster nach drau&szlig;en zur Freiheit. Nachdem die Mauer gefallen und ich &auml;lter geworden war, ist das stark bei mir geblieben. Vor allem die Idee, dass man durch Film an unglaublich viele Orte reisen kann, die man sonst nicht sehen k&ouml;nnte, ganz viele Schicksale, Geschichten und Erfahrungen sammeln kann, die man eigentlich in seiner normalen Lebenszeit gar nicht auf so eine Masse akkumuliert kriegt.<br /></span></span><br /><span><span style="color:rgb(88, 72, 183); font-weight:700">CS:</span><span> Ist das der Grund, warum du Film studiert hast?<br /></span></span><br /><span><span style="color:rgb(51, 135, 162); font-weight:700">BB:</span><span> Tats&auml;chlich ist es so. Ich hatte einen sehr kruden Lebensweg. Ich war eine Weile in den Staaten als ich sehr jung war und bin dann zur&uuml;ckgekommen nach Deutschland und habe erst mit 26 mein Abitur in Deutschland nachgemacht. Als ich das dann hatte, war die Frage, was will ich wirklich studieren? Womit m&ouml;chte ich mich jahrelang auseinandersetzen? Und da war Film das Einzige, was ich spannend genug fand. Deswegen dachte ich, dann studiere ich eben Film. Ich bin dann in Berlin an die FU gegangen und habe dort Filmwissenschaft angefangen.<br /></span></span><br /><span><span style="color:rgb(88, 72, 183); font-weight:700">CS:</span><span> Was oder wer hat dich inspiriert oder beeinflusst? Was f&uuml;r Filme magst du?<br /></span></span><br /><span><span style="color:rgb(51, 135, 162); font-weight:700">BB:</span><span style="color:rgb(51, 135, 162)"> </span><span>Die Horrorfrage f&uuml;r jeden Filmkritiker! Danach kommt die Frage &ldquo;Was ist dein Lieblingsfilm?&rdquo;<br /></span></span><br /><span><span style="color:rgb(88, 72, 183); font-weight:700">CS:</span><span> Nein! Diese Frage stelle ich nicht! [lacht]<br /></span></span><br /><span><span style="color:rgb(51, 135, 162); font-weight:700">BB:</span><span style="font-weight:700"> </span><span>Das ist total schwer zu beantworten. Pers&ouml;nlich liebe ich Genrekino, vor allem Horrorfilme, Fantasy-Filme, usw. Ich mag sehr gerne Trash-Kino, ich bin eine gro&szlig;e Liebhaberin trashiger Filme und Midnight Screenings von Filmen der 70ern bis heute. Das sind Sachen, die ich sehr mag, mit denen ich beruflich aber nur zum Teil zu tun habe. Als Kritikerin arbeite ich viel mit Independent Film und Arthouse, wobei ich bei Arthouse unterscheiden muss zwischen innovativem Arthouse Film, und sehr kommerziellem Art House Film, den ich nicht so toll finde.<br /></span></span><br /><span><span>Wenn ich jetzt spontan irgendeinen Film nennen m&uuml;sste, der demn&auml;chst rauskommt, und der mich wirklich genau trifft, w&auml;re das Lynne Ramsay&rsquo;s </span><em><a href="https://www.imdb.com/title/tt5742374/"><span style="color:rgb(17, 85, 204); font-weight:400">You Were Never Really Here</span></a></em><span> [Kinostart in DE war 26. April 2018]. Ein Film mit Joaquin Phoenix als Kopfgeldj&auml;ger, der v&ouml;llig kaputt ist und PTSD hat. Es ist ein super krasser Film, von einer Frau gemacht, wunderbar innovativ, total toll inszeniert und hartes Kino. Filme m&uuml;ssen dich ver&auml;ndern, dich irgendwie ber&uuml;hren. Und nicht dich einfach schl&auml;frig machen.<br /></span></span><br /><span><span style="color:rgb(88, 72, 183); font-weight:700">CS:</span><span> Allerdings. Du hast Regisseurin </span><a href="https://www.imdb.com/name/nm0708903/?ref_=tt_ov_dr"><span style="color:rgb(17, 85, 204); font-weight:400">Lynne Ramsay</span></a><span> erw&auml;hnt. Was sind deine Erfahrungen als Frau in der Filmbranche? Merkst du Unterschiede in der Funktion in der du auftrittst?<br /></span></span><br /><span><span style="color:rgb(51, 135, 162); font-weight:700">BB: </span><span>Eigentlich nicht. Tendenziell ist es so, dass ich in den Raum laufe und eine von wenigen Frauen bin. Die zweite Erfahrung ist die der &Uuml;berraschung, dass ich da bin. Und es passiert immer wieder, dass es eine Mischung gibt zwischen Leuten, die sich freuen, dass eine Frau diesen Job macht, und gleichzeitig sind sie irritiert dar&uuml;ber und verwundert und fragen sich, ob ich das &uuml;berhaupt kann. Danach kommt ein Teil, wo ich mich beweisen muss, dass meine Anwesenheit Validit&auml;t hat und danach ist es eigentlich okay. Das ist die Grundstruktur die ich seit 10 Jahren in der Filmkritik erfahren habe. Interessanterweise wiederholt es sich auf eine &auml;hnliche Art und Weise gerade mit dem Film [</span><em><span>The Artist &amp; The Pervert</span></em><span>].<br /></span></span><br /><span><span>Es gibt aber einen Unterschied. Dieser Film ist jetzt zuf&auml;llig zu einer Zeit herausgekommen in der durch Time&rsquo;s Up and #MeToo ein neues Bewusstsein entstanden ist. Ich habe den Film zusammen mit Ren&eacute; Gebhardt, einem sich als Mann identifizierenden Menschen gemacht, aber ich bekomme tats&auml;chlich gerade mehr Aufmerksamkeit als er. Wir haben einen Film gemacht &uuml;ber ein sehr interessantes Thema und wir bekommen sehr viel Unterst&uuml;tzung aus der feministischen und filmkritischen Seite, die speziell Frauenfilme unterst&uuml;tzen. Und das ist super neu und total genial.<br /></span></span><br /><span><span style="color:rgb(88, 72, 183); font-weight:700">CS:</span><span> Auf jeden Fall. Wie kam der Film zustande?<br /></span></span><br /><span><span style="color:rgb(51, 135, 162); font-weight:700">BB:</span><span style="font-weight:700"> </span><span>Ren&eacute; und ich sind vor zwei Jahren &uuml;ber diese Story gestolpert, weil es einen Artikel in </span><em><a href="https://www.nytimes.com/2016/02/24/arts/music/a-composer-and-his-wife-creativity-through-kink.html"><span style="color:rgb(17, 85, 204); font-weight:400">The New York Times</span></a></em><span> [&uuml;ber Georg Haas und Mollena Williams-Haas, Anm. d. Red.] gab. Ich fand das spannend, weil sofort jeder, mir inklusive, so eine Art ad hoc Reaktion hatte. Dass man sofort sagen will, das ist in Ordnung oder nicht. Das hat so viel getriggert! Wir haben Georg und Mollena angeschrieben und die meinten, ja klar, kommt vorbei, wir machen einen Film - und wir haben sofort diesen Film gemacht. Dadurch, dass es alles so schnell passiert ist, hatten wir niemals die Zeit, oder auch das Interesse, dar&uuml;ber nachzudenken, warum wir diesen Film machen. Wir haben einfach diesen Film gemacht. Punkt. Das macht niemand, aber wir haben es gemacht.<br /></span></span><br /><span><span style="color:rgb(88, 72, 183); font-weight:700">CS:</span><span style="font-weight:700"> </span><span>Wie hat das Publikum auf den Film reagiert?<br /></span></span><br /><span><span style="color:rgb(51, 135, 162); font-weight:700">BB: </span><span>Wir haben jetzt die ersten Screenings hinter uns und wir waren sehr &uuml;berrascht, weil wir dachten, dass einige Leute rausgehen und sich denken: &ldquo;Oh mein Gott, diese Perversen! Ich gehe! Ich will diese zwei Leute nicht nackt sehen! Die sind alt und dick! Um Gottes Willen!&rdquo; Aber das Gegenteil ist passiert. Alle sind sitzengeblieben. Je mehr der Film gezeigt wurde, desto mehr kamen ins Kino. Die Q&amp;As danach waren unglaublich lang und es gab viele Fragen. Das hat uns total &uuml;berfahren, weil wir lustigerweise eher damit gerechnet hatten, dass der Film nicht gut ankommt. Wir waren nicht vorbereitet, dass er richtig gut ankommt. Wir versuchen gerade damit klarzukommen [lacht].<br /></span></span><br /><span><span style="color:rgb(88, 72, 183); font-weight:700">CS:</span><span> Es ist interessant, dass der Film so spontan entstanden ist. Ich habe gelesen, dass der Film durch Crowdfunding finanziert worden ist. Ist das richtig?<br /></span></span><br /><span><span style="color:rgb(51, 135, 162); font-weight:700">BB:</span><span> Jein. Wir haben diesen Film sozusagen non-budget gedreht. Wir hatten Kameras schon da, sind dahin gefahren und haben das auf eigene Kosten gemacht und als wir alle pleite waren, war der Film Gott sei Dank fertig gedreht. Wir mussten nur die Postproduktion realisieren. Das Gute ist, dass Ren&eacute; und ich gen&uuml;gend Wissen haben, dass wir fast alles selbst machen konnten au&szlig;er dem Sound Design. Wir brauchten Geld f&uuml;r den Sound Designer und das haben wir durch Crowdfunding finanziert.<br /></span></span><br /><span><span style="color:rgb(88, 72, 183); font-weight:700">CS:</span><span> Hut ab! Das P&auml;rchen, der &ouml;sterreichische Komponist Georg Friedrich Haas und seine Frau, die ihm freiwillig als Sklavin dient, die Schriftstellerin und Sexualp&auml;dagogin Mollena Williams-Haas, ist ziemlich einzigartig und auch voller Gegens&auml;tze. Es gibt keinen Kommentar im Film, damit ihre Beziehung m&ouml;glichst authentisch vermittelt ist. Wer sind sie denn wirklich?<br /></span></span><br /><span><span style="color:rgb(51, 135, 162); font-weight:700">BB:</span><span> Ich glaube es gibt zwei Ebenen. Einmal die zwei Menschen als Paar im echten Leben. Und einmal das Symbol. Das ist es auch, worum es in diesem Film geht. Nach dem Outing in The New York Times haben die meisten Menschen auf Georg und Mollena als ein Symbol f&uuml;r etwas reagiert. F&uuml;r die einen war es ein Symbol f&uuml;r die totale Befreiung, die anderen ein Symbol f&uuml;r absolute Perversion. Das ist die &uuml;bergeordnete Ebene und wir haben diesen Film gemacht, um herauszufinden, wer die zwei echten Menschen dahinter sind. Eine 24/7 BDSM Beziehung klingt erstmal f&uuml;r mich pers&ouml;nlich super anstrengend. Wie sieht so etwas aus und warum machen sie das? Wie kann es sein, dass sich beide als FeministInnen bezeichnen und in einer power exchange relationship sind, wo die Frau submissiv ist? In der sie eine 1950s Household Geschichte machen? Das ist sehr schwierig zusammenzukriegen. Die ganze Ethnizit&auml;t-Frage nat&uuml;rlich auch. Wie kann er, der wei&szlig; ist und aus einer Nazifamilie kommt, eine schwarze Frau dominieren? Warum l&auml;sst sie das zu? Und das sind die gro&szlig;e Fragen die dr&uuml;berstehen und die wir auch versuchen zu er&ouml;rtern, aber auf einer pers&ouml;nlichen Ebene.<br /></span></span><br /><span><span style="color:rgb(88, 72, 183); font-weight:700">CS:</span><span> Was findest du pers&ouml;nlich gut an den beiden? </span></span><br /><br /><span><span style="color:rgb(51, 135, 162); font-weight:700">BB:</span><span> Es gibt Sachen, die sie in ihrem Leben machen, die ich ganz toll finde. Es ist radikal, dass sie jetzt in ihrem Alter - Georg ist 65, Mollena ist in den 40ern - ihr Leben endlich so leben wie sie wollen. Das hat mit mir pers&ouml;nlich sehr viel gemacht. Es hat mich zum Nachdenken gebracht. Und das Publikum auch. Man kommt nicht umhin dar&uuml;ber nachzudenken, ob man wirklich das Leben lebt, was man leben will. Das ist sehr spannend. Es gibt aber auch Teilaspekte, wo ich bis heute mit mir selbst hadere. Ich glaube das gr&ouml;&szlig;te Problem f&uuml;r mich ist der Zeitaspekt. Sie gibt fast all ihre Zeit auf, um ihm zu dienen und das hilft ihm im Alltag und in seiner Kunst. Er kann viel mehr produzieren als vorher. Sie ist aber auch K&uuml;nstlerin und macht Kunst. Sie machen auch zusammen Kunst aber sie gibt die meiste Zeit f&uuml;r ihn auf. Aber nur, weil ich das ambivalent finde, hei&szlig;t das noch lange nicht, dass ich jetzt die beiden verurteilen muss. Es ist ihr Leben und nicht meins. Das ist das Schwierigste und das Spannendste an dem Film.<br /></span></span><br /><span><span style="color:rgb(88, 72, 183); font-weight:700">CS:</span><span> Was h&auml;ltst du von Vorw&uuml;rfen, dass alles von dem P&auml;rchen nur inszeniert wird?<br /></span></span><br /><span><span style="color:rgb(51, 135, 162); font-weight:700">BB:</span><span> Ich finde es super spannend, weil vor allem Georg vorgeworfen wird, dass es eine PR-Strategie w&auml;re. Allerdings ist er so renommiert und bekannt, dass er das gar nicht braucht. Wenn seine Musik total schei&szlig;e w&auml;re und niemand ihn kennen w&uuml;rde, okay. Aber er ist davor schon etabliert gewesen. Es geht einfach darum, dass alles versucht wird, um zu bestreiten, dass zwei Menschen radikal sich selbst verwirklichen. Es ist einfacher zu glauben, dass es eine PR-Strategie w&auml;re, als zu glauben, dass die zwei Leute es wirklich ernst meinen. Und das finde ich total lustig.<br /></span></span><br /><span><span style="color:rgb(88, 72, 183); font-weight:700">CS:</span><span> Du hast Feminismus und Rassismus erw&auml;hnt. Wie verh&auml;lt sich deiner Meinung nach ein/e FeministIn? Wie spielt Feminismus, oder auch Sexismus, Rassismus, usw. eine Rolle in dem Film und in deren Beziehung?<br /></span></span><br /><span><span style="color:rgb(51, 135, 162); font-weight:700">BB: </span><span>Zur ersten Frage: was ist Feminismus? Die Frage kann man nur pers&ouml;nlich beantworten. </span></span><span><span>Denn es gibt nicht den Feminismus. Es gibt tausende verschiedene Spielarten. F&uuml;r mich ist Feminismus der Wunsch nach Gleichberechtigung zwischen allen m&ouml;glichen Geschlechter (ich glaube, es gibt mehr als zwei) und dass man unabh&auml;ngig von seinem Geschlecht alle M&ouml;glichkeiten offen hat, sein Leben zu leben wie man m&ouml;chte. Das ist nicht gegen M&auml;nner. Das bedeutet einfach nur, dass man Gleichberechtigung m&ouml;chte. Ich glaube, auf einer &auml;hnlichen Art und Weise w&uuml;rden Georg und Mollena diese Frage beantworten. Und wenn man dar&uuml;ber nachdenkt, dann merkt man, dass es eigentlich nicht so eine gro&szlig;e Diskrepanz gibt zwischen dem, wie die beiden leben und Feminismus. Denn der Punkt am Feminismus ist, dass man sich unabh&auml;ngig von seinem Geschlecht und &uuml;brigens auch seiner Ethnizit&auml;t verwirklichen kann wie man das verdammt nochmal selbst will. Und dann macht das Ganze Sinn. Wenn man allerdings Feminismus auf so eine kurze, popkulturelle Idee herunterf&auml;hrt, dass nur Frauen gleichberechtigt sein d&uuml;rfen und dass sie auch stark sein m&uuml;ssen und nicht submissiv sein d&uuml;rfen, dann merkt man, dass es eine Diskrepanz gibt. Aber das ist f&uuml;r mich eher ein Zeichen daf&uuml;r, dass man seinen Feminismus nicht durchdacht hat. Und nicht ein Zeichen daf&uuml;r, dass die beiden sich bel&uuml;gen.<br /></span></span><br /><span><span style="color:rgb(88, 72, 183); font-weight:700">CS:</span><span> Und mit Sexismus und Rassismus?<br /></span></span><br /><span><span style="color:rgb(51, 135, 162); font-weight:700">BB:</span><span> Der Rassismus, der Sexismus, der gef&uuml;hlte Anti-Feminismus, das ist alles im Film, allerdings nicht da, wo die meisten Leute denken, dass sie die finden werden. Sondern - und ich glaube das ist das Interessanteste - diese Sachen befinden sich alle in den Vorurteilen, die man als ZuschauerIn mit in den Film bringt. Und mit denen wird man, und das ist auch ein bisschen der Sinn des Filmes, irgendwie konfrontiert, alleine dadurch, dass man den Alltag dieser zwei erlebt. Das ist die Reibungsfl&auml;che, die entsteht. Ich glaube, genau an der Stelle passiert es, dass nach dem Film ganz viele Leute viele Fragen haben. Und das ist super.<br /></span></span><br /><span><span style="color:rgb(88, 72, 183); font-weight:700">CS:</span><span> Ja. Ich will unbedingt diesen Film sehen! Als letzte Frage w&uuml;rde ich gerne wissen, was du M&auml;dchen oder Frauen sagen w&uuml;rdest, die sich f&uuml;r eine Filmkarriere interessieren? Hast du Tipps oder ermutigende Worte f&uuml;r sie?<br /></span></span><br /><span><span style="color:rgb(51, 135, 162); font-weight:700">BB:</span><span> Ein Teil von mir will sagen, blo&szlig; nicht. Ein Teil von mir m&ouml;chte eigentlich besch&uuml;tzen und sagen, dass es sehr anstrengend und nervig ist und dass man ganz sch&ouml;n k&auml;mpfen muss. Und wenn man, wie ich zum Beispiel, sich auch um Feminismus und Film k&uuml;mmert, ist man sehr schnell in einer Nische gefangen. Der andere Teil von mir will sagen, ja unbedingt. Wir brauchen mehr Frauen, wir brauchen mehr Stimmen, wir brauchen auch mehr Diversit&auml;t, vor allem in der Filmkritik, die sehr dominiert wird von jungen wei&szlig;en M&auml;nnern aus der Mittelschicht. Wir brauchen aber auch andere Arten von Menschen, weil wir in diesem Diskurs, den wir f&uuml;hren, andere Blickwinkel brauchen. Und ich glaube - au&szlig;er, dass man sich klar sein muss, dass es grunds&auml;tzlich schwer ist sich &uuml;berhaupt zu etablieren, und als Frau erst recht - kann ich gar keinen Rat geben an der Stelle.<br /></span></span><br /><span><span style="color:rgb(88, 72, 183); font-weight:700">CS:</span><span> Es ist auf jeden Fall schwierig als Frau, egal in welcher Industrie man sich befindet. Wir bedanken uns ganz herzlich f&uuml;r deine weisen Worte.<br /></span></span><br /><span><em><span>The Artist &amp; The Pervert</span></em><span> ist gerade auf Tour. F&uuml;r Screenings in deiner N&auml;he, klicke hier: </span><a href="http://artistandpervert.com/"><span style="color:rgb(17, 85, 204); font-weight:400">http://artistandpervert.com/</span></a><span style="color:rgb(17, 85, 204)"> </span></span><span><span style="color:rgb(17, 85, 204)">&#8203;</span><br /><span>Du kannst auch den Newsletter abonnieren f&uuml;r Updates!</span></span></div>]]></content:encoded></item></channel></rss>